Vor einiger Zeit hatte ich meine ersten beiden Geburtsberichte abgetippt und veröffentlicht. Danach wurden die Stimmen immer lauter: “Du kannst doch keinen negativen Geburtsbericht veröffentlichen! Denk doch mal an die ganzen Schwangeren, die bekommen jetzt Angst vor der Geburt!” Aber wisst ihr was? Ja, meine ersten beiden Geburten waren nicht so schön, beide auf ihre eigene Weise und eventuell auch die dritte Geburt nicht die aller schönste… aber ich habe mich nach jeder Geburt dazu entschieden, es noch einmal zu machen. Also, so schlimm kann es gar nicht gewesen sein, oder?

Am 08.05. begannen bei mir um 02.17 Uhr die Wehen. Ich wachte auf und merkte, dieses Mal ist es anders wie die letzten Tage. Denn ich hatte bereits ein paar Tage schon wieder Wehen, mal mehr und mal weniger. Doch ich wachte dieses Mal auf und wusste, lange dauert es nicht mehr. Mein Mann war irgendwo in Deutschland unterwegs. Schließlich sollte der kleine Mann ja erst eine Woche später kommen und die anderen Beiden haben ja auch länger gebraucht. Warum also nicht, dachten wir uns. Da ich wusste, dass er schläft habe ich bis um 3:58 Uhr gewartet um ihn anzurufen. Wie erwartet ging er nicht an sein Handy. Um 4:18 aber. Ich erklärte ihm die Lage und bat ihn an diesem Tag nach Hause zu kommen.

Ich legte mich wieder hin, schlief aber dank der Wehen nicht mehr ein. Gegen 07.30 wurde dann der Mittlere wach und ich frühstückte mit ihm und wir machten uns für den Tag fertig. So langsam wurde ich aber nervös, denn es stand im Raum, dass der Mann noch nach Berlin fahren sollte. Ich versuchte mich mit dem Gedanken anzufreunden das Kind alleine zur Welt zu bringen. Und so verbrachte ich den Tag mit Wehen und Kinderspiel. Um 16.42 rief mich mein Mann an, dass er nun bei seinen Eltern wäre und er nun gleich nach Hause kommt. Glücklicherweise hatte sich ein Arbeitskollege erbarmt und mit ihm die Fahrt getauscht. So konnte er an diesem Tag doch noch nach Hause kommen.

Als mein Mann dann mit seinen Eltern bei uns eintraf waren die Wehen weniger häufig, jedoch deutlich schmerzhafter als die Stunden zuvor. Er wollte sofort los, ich jedoch bat ihn erst einmal im Krankenhaus anzurufen, ob sie jetzt auch Zeit haben. Wir wurden gebeten sofort zu kommen, schließlich ist es das dritte Kind und man weiß ja nie. Wir machten uns also auf den Weg und waren gegen 18.00 Uhr im Kreißsaal.

Ich kam für etwa eine halbe Stunde an das CTG, wie erwartet konnten aber keine Wehen aufgezeichnet werden. Allerdings sagte die Hebamme nach der Untersuchung, dass ich bei etwa 3 cm Öffnung wäre. Wir gingen also spazieren, da wir noch nichts gegessen hatten, dachten wir, wir gehen in die Kantine. Pustekuchen, die hatte nämlich zu. Also wollte ich mit meinem Mann in den nahe gelegenen Supermarkt, aber die Wehen waren so heftig, dass ich mir den Weg nicht zugetraut habe. Also riefen wir meinen Schwiegervater um uns wieder abzuholen und zum Supermarkt zu fahren. Dort holte ich mir eine Cola und ein paar Gummibären. Nach Essen war mir nämlich überhaupt nicht zu mute, aber etwas Zucker tat meinem Kreislauf ganz gut.

Zurück im Krankenhaus gingen wir gegen 20.00 wieder in den Kreißsaal für ein erneutes CTG. Dann war auch Schichtwechsel. Die jetzt diensthabende Hebamme schickte mich gegen 21.00 auf mein Zimmer und meinen Mann nach Hause. Ich ging also in Tränen auf mein Zimmer, denn eigentlich wollte ich mich nicht von meinem Mann verabschieden. Er ist unter den Wehen meine größte Stütze gewesen. Er verabschiedete sich aber und hinterlegte seine Nummer bei den Schwestern, falls etwas wäre.

Ich legte mich etwas hin und starrte auf mein Handy, dort lief der Wehentimer. Alle drei Minuten für eine eine Minute Wehen. Ich versuchte so leise wie möglich zu atmen, denn meine Bettnachbarin schlief bereits. Um 0.00 machte ich mich auf den Weg zurück in den Kreißsaal. Ich brauchte etwas Gewissheit, dass es weiter geht. Leider bekam ich aber die Nachricht, immer noch bei 3cm! Ich war echt am Boden und zu allem Übel musste ich jetzt die Wehen auch noch mit dem Kugelschreiber auf dem CTG markieren, damit sie sehen kann, wann die Wehen kommen. Alle 3 – 4 Minuten, jedoch deutlich erträglicher als auf der Station. Aber alles brachte nichts, um 01.00 war ich wieder auf meinem Zimmer.

Weitere 2 Stunden später musste ich mal zur Toilette. Als ich so vor der Toilette stand musste ich mich übergeben, vor Schmerz wurde mir so schwindelig, dass ich zur Seite kippte gegen die Wand.
Auch wenn die erste Geburt deutlich länger dauerte, merkte ich ab diesem Punkt nun 10 Jahre später, das schaffe ich nicht viel länger. Meine Kräfte gingen dem Ende zu. Ich schleppte mich wieder in den Kreißsaal, dort empfing mich grinsend die Hebamme. Sie wusste wohl, dass ich nun komme um zu bleiben. Ich schilderte ihr das Dilemma auf der Toilette und sie rief den Anästhesisten für eine PDA. Denn wir beide wussten, die meiste Kraft brauchte ich bald noch.

Die PDA war recht schnell gelegt und ich konnte tatsächlich kurz verschnaufen. Mir war allerdings nicht klar, dass ich durch die PDA in einen Geburtsstillstand komme. Denn plötzlich kamen gar keine Wehen mehr, die Herztöne waren auch nicht so prickelnd und ich lag weinend im Bett. Schichtwechsel, die Hebamme sagte, wenn sie abends wieder kommt, möchte sie mich hier nicht mehr sehen. Ich versprach mein bestes zu geben. Die nächste Hebamme nahm mich erstmal in den Arm und sagte, dass ich ihr Leid tue. Ich musste noch mal etwas mehr weinen. Ich wollte meinen Mann bei mir haben. Zwischendurch gab ich immer wieder Updates an meine Familie weiter.

Und dann ging gar nichts mehr. Geburtsstillstand. Wir waren immer noch bei 3 cm, keine Wehen mehr und wir hatten bereits 6.30. Also hieß es, nun gibt es den Tropf. Ich weinte und weinte, denn ich wusste, dass wird schmerzhaft werden. Ich durfte noch mal zur Toilette, denn danach, das war klar, konnte ich nicht mehr aufstehen. Um 7.42 schickte mir mein Mann ein Bild, dass er nun erstmal Kaffee trinken werde und dann käme er.

8.00, das Krankenhaus wurde zu diesem Zeitpunkt umgebaut und der Schlagbohrer legte los. In diesem Moment überrollte mich die erste Wehe dank dem Tropf. Der Bohrer war wunderbar laut, aber ich denke ich konnte ihn fast übertönen. 5 Minuten später kam die nächste Wehe, wieder schrie ich gegen den Schlagbohrer an. Dann öffnete sich die Türe und mein Mann stand im Zimmer. Halleluja! Er setzte sich neben mich, es kam die nächste Wehe. Ich weinte und weinte, denn ich dachte, dass das jetzt noch Stunden so geht. Schließlich waren wir ja erst bei 3 cm?! Doch dann riss ich die Augen auf und starrte meinen Mann an, die erste Presswehe kam. Ich schrie ihn an, er solle mir die Hose ausziehen. Die Wehe hörte auf und Arzt und Hebamme kamen rein. Sie hatten mich wohl gehört.

Die Hebamme untersuchte mich noch einmal und schon kam die nächste Presswehe. Ich sollte mit schieben und das tat ich auch. Nun sollte ich nur atmen und nicht weiter pressen. Das war mir in den vergangenen Geburten gar nicht möglich gewesen, doch dieses Mal gar kein Problem. Ich atmete tief ein und aus. Dann kam schon der Endspurt, ich dachte ich verbrenne innerlich, es war wahnsinnig schmerzhaft. Ebenfalls etwas was ich aus den vergangenen Geburten nicht kannte. Denn da waren die Schmerzen bei Beginn der Presswehen plötzlich weg. Nun dachte ich aber ich zerreiße, doch ich schaffte es und der kleine Mann war da. Er musst nun aber erstmal befreit werden, denn er hatte die Nabelschnur mehrmals um den Hals. In diesem Moment war ich so froh, nun doch im Krankenhaus mein Kind bekommen zu haben.

Da war er, so perfekt, so klein. Am 09.05. um 09.05 Uhr war er nach etwas mehr als 30 Stunden auf der Welt. Und ich schwor feierlich, dass das meine letzte Geburt gewesen wäre.

Aber wer weiß das schon….

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